Meerschweinchen




Allgemeines

Die geselligen Meerschweinchen gehören zu den beliebtesten Kleintieren und werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie in den meisten Ländern weltweit als reine Liebhabertiere gehalten - im Gegensatz zu z.B. Südamerika, wo Meerschweinchen auch als Nutztiere gelten, und ähnlich unserer "Brathähnchen" den Speiseplan ergänzen.
Meerschweinchen kommen in den unterschiedlichsten Farb- und Fellvarianten vor und gelten als pflegeleichte Hausgenossen. Ob dies stimmt und was Sie bei der Haltung, Pflege und Anschaffung eines Meerschweinchens beachten müssen, erfahren Sie in diesem Meerschweinchen-Porträt.

Herkunft / Abstammung

Nagezähne der Biberratte

Nagezähne der Biberratte (Myocastor coypus)
Ordnung: Rodentia

Wie im folgenden Artikel zu erfahren ist, gibt es Meerschweinchen vermutlich bereits seit 40 – 35 Millionen Jahren. Somit ist das Meerschweinchen wohl eines der ersten Haustiere der Welt, was die Erforschung und die wissenschaftliche Gültigkeit seiner genauen Abstammungsgeschichte so schwierig macht. Besonders die Einteilung in die biologische Systematik, die ohnehin nur bei wenigen Tierarten vollends erforscht ist bzw. nicht oder nur unzureichend mit Ergebnissen anderer Wissenschaften korrespondiert, ist nicht als der Weisheit letzter Schluss zu betrachten; vielmehr variiert sie immer - je nach Akzeptanz neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse - und bietet somit stets Raum für andere Zuordnungsvarianten.
Einigkeit herrscht aber über die Zuordnung der Meerschweinchen zu den Nagetieren (Rodentia). So besitzen fast alle von ihnen sowohl im Ober- wie auch im Unterkiefer je zwei Nagezähne, die deutlich größer als die übrigen Zähne sind und zudem permanent wachsen, was bedeutet, dass sie durch regelmäßiges Nagen abgenutzt werden müssen, ähnlich einem Fingernagel, der immer wieder gefeilt bzw. geschnitten wird. Zudem sind die meisten der Rodentia eher klein und sie bewegen sich auf vier relativ kurzen Beinen vorwärts.

Biologische Systematik

Wilde Baumratte

Wilde Baumratte

In der zoologischen Systematik gehören die Meerschweinchen zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia), die eine Ordnung der Säugetiere (Mammalia) sind. Mit ihren rund 2.300 Arten, von denen eine Vielzahl wenig bis gar nicht erforscht ist, stellen die Nager die artenreichste Ordnung der Gruppe der Mammalia dar.
Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass die Nagetiere in 5 Unterordnungen mit 34 Familien unterteilt werden können: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha), Biberverwandte (Castorimorpha), Dornschwanzhörnchenverwandte (Anomaluromorpha), Mäuseverwandte (Myomorpha) und Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha).
Zu den Hystricomorpha gehören derzeit die Laotischen Felsenratten (Laonastes aenigmamus), die Kammfingerartigen (Ctenodactylomorphi), die Stachelschweinverwandten (Hystricognathi) mit den Stachelschweinen (Hystricidae), den ausgestorbenen Familien (Phiomorpha) und den Meerschweinchenverwandten (Caviomorpha).
Die Caviomorpha werden in 4 Überfamilien unterteilt: In die Baumstachlerartigen (Erethizontoidea) mit der Familie des Baumstachlers (Erethizontidae) und der Familie des Borstenbaumstachlerartigen (Erethizontoidea), in die Überfamilie der Meerschweinchenartigen (Cavioidea) mit den Familien der Pakas (Cuniculidae), der Agutis und Acouchis (Dasyproctidae) und der Meerschweinchen (Caviidae), zu denen sich die Riesennager zählen, in die Überfamilie der Chinchillaartigen (Chinchilloidea) mit der Familie der Pakaranas (Dinomyidae) und der Familie der Chinchillas (Chinchillidae), in die Überfamilie der Trugrattenartigen (Octodontoidea) mit den Familien der Chinchillaratten (Abrocomidae), der Trug- (Octodontidae) und Kammratten (Ctenomyidae) und einer noch unbenannten Gruppe, zu der sich die Stachelratten (Echimyidae), Biberratten (Myocastoridae), Baumratten (Capromyidae) und die unsichere Zuordnung der ausgestorbenen Riesenhutias (Heptaxodontidae) zählen.

Ursprung

Meerschweinchengruppe

Meerschweinchengruppe

Das Meerschweinchen entstand vermutlich zur Zeit des Eozäns im Tertiär, vor 40 - 35 Millionen Jahren, worauf Knochenfunde hinweisen. Der Zeitpunkt ihrer Domestikation und Nutzung wird zwischen 1.000 und 500 v. Chr. geschätzt, jedoch weisen Schädelfunde darauf hin, dass die Tiere bereits zwischen 9.000 und 3.000 v.Chr. in der Nähe menschlicher Siedlungen lebten. Somit ist das Meerschweinchen eines der ältesten Haustiere überhaupt.
Das Hausmeerschweinchen (lat. Cavia aperea porcellus) stammt vom Wildmeerschweinchen ab, welches in Südamerika beheimatet ist. Bereits die Inkas hielten sich Meerschweinchen als Haustiere und diese lebten in kleinen Rudeln rund um die Häuser und Siedlungen. Die Tiere dienten vor allem als Fleisch- und Felllieferant und in vielen Ländern Süd- und Mittelamerikas wird auch heute noch Meerschweinchen gegessen. Das Fleisch ist proteinreich und fettarm, ähnlich dem von Hühnchen und Kaninchen und wird vorwiegend gegrillt. Auch dienten die Tiere bei den Inkas als Grabbeigaben, was mumifizierte Meerschweinchen in Gräbern und Abbildungen auf gefundenen Tongefäßen beweisen. Vor allem rote und rot-weiß-gescheckte Tiere wurden dem Sonnengott als Opfer dargebracht.

Geschichte

Ende des 16. Jahrhunderts gelangte das Meerschweinchen im Zuge der Entdeckung Südamerikas durch spanische, später holländische Seeleute nach Europa. Möglicherweise dienten die ersten Tiere damals als lebender Proviant, da sie sich unproblematisch vermehren ließen. Einige Exemplare überlebten jedoch die Überfahrt und fanden schließlich den Weg zu Liebhabern oder dienten als Spielzeug für die Kinder der Reichen, denn Meerschweinchen wurden bald als teure Kostbarkeit gehandelt, die sich nicht jedermann leisten konnte.
Obwohl schon 1554 von dem Schweizer Biologen Konrad Ges(s)ner (auch Conrad Gessner) als „Indisches Kaninchen“ beschrieben, wurden Meerschweinchen in Europa erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig bekannt und beliebt, leider auch als Laborversuchstiere im Kampf gegen Tuberkulose, Diphtherie und andere Krankheiten.

Namensentstehung / Etymologie

Den wissenschaftlichen Namen des Meerschweinchens „Cavia aperea porcellus“, übersetzt „Höhlenmeerschweinchen“, erhielten die Tiere von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707 - 1778), wohl wegen ihrer Vorliebe für Höhlen und dunkle Verstecke, die bis heute erhalten geblieben ist.
Der englische Name „guinea pig“, so besagt eine Theorie, entstand, weil die Tiere damals für einen „Guinea“ (altenglische Goldmünze) verkauft wurden. Auch nahmen die Menschen damals irrtümlich an, die Tiere wären aus Guinea, da viele Handelsrouten auch über die Guinearoute in Afrika führten, bevor sie Europa erreichten. Dem war natürlich nicht so.
Auch der spanische Name „conejillos de Indias“ (kleines indisches Kaninchen) sowie der französische Name „cochon d´Inde“ (Schwein aus Indien) hat seine eigene Geschichte. Durch den Irrglauben, Indien – statt Amerika – entdeckt zu haben und wohl durch die Ähnlichkeiten (schnelle Vermehrung, geringe Größe, Ernährungsgewohnheiten) bezeichnete man die Tiere einfach als indische Kaninchen.
Die Entstehung des deutschen Namens „Meerschweinchen“ könnte von den Lautäußerungen der Tiere herrühren, die ganz entfernt an das Quieken von Schweinen erinnern. Da die Tiere von den spanischen Seefahrern über das Meer mitgebracht wurden entstand der Name Meer-Schweinchen!

Haltung

Einzelhaltung / Gruppenhaltung

US-Teddy und Coronet Meerschweinchen sind grundsätzlich mindestens zu zweit zu halten, alles andere ist nicht artgerecht, da es sich um Rudeltiere handelt. Stirbt ein Partner, sollte er unbedingt durch ein geeignetes Tier ersetzt werden.
Ausnahme: Das Tier ist sehr, sehr alt (7 oder 8 Jahre) und/oder bereits selbst sehr krank und man möchte keine Meerschweinchen mehr. Wenn möglich und dem Tier zuzumuten, eventuell an einen geeigneten Platz mit Meerschweinchengesellschaft abgeben!
Es ist ebenfalls ein Irrglaube, dass sich einzeln gehaltene Meerschweinchen mehr an den Menschen anschließen, denn oft sind besonders diese vollkommen verschüchtert und erleiden starke soziale Defizite und Verhaltensauffälligkeiten.
Zwei Tiere werden genauso, wenn nicht sogar schneller zutraulich, da sie sich gegenseitig Sicherheit geben. Diese Meerschweinchen leben glücklicher, gesünder und artgerechter. Kein Mensch kann einem Meerschweinchen den Partner ersetzen!
Lesen Sie in den folgenden Unterpunkten Möglichkeiten der Vergesellschaftung von Meerschweinchen:

Böckchenvergesellschaftung

Es gibt folgende Möglichkeiten der Vergesellschaftung:

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Meerschweinchenböcke vertragen sich nicht, lassen sich zwei Böckchen problemlos miteinander vergesellschaften, wenn man sich an gewisse Regeln hält.
Es ist sogar so, dass viele Halter von Meerschweinchenböcken, diese als gelehriger, anhänglicher und schmusiger als die Weibchen beschreiben (ähnlich der Gemütlichkeit von Katern), und vor allem: viel weniger zickig!

Auch das Argument des stärkeren Geruches stimmt nur bedingt. Männchen, die ohne Weibchen gehalten werden, markieren ihr Revier nicht, da sie keine Weibchen umwerben. Dies ist auch unabhängig von einer Kastration! Wenn man – was unbedingt erforderlich ist – den Käfig mindestens 1 Mal wöchentlich reinigt und regelmäßig die Ecken säubert, ist der stärkere „Männergeruch“ gar nicht oder nur minimal wahrnehmbar.
Das Geschlecht sollte also auf keinen Fall ein Grund dafür sein, dass Böckchen aufgrund der geringeren Nachfrage haufenweise als Schlangenfutter enden.

Das funktioniert problemlos:

Zwei Böckchen (zwei Wurfgeschwister), die vor der 6. Lebenswoche von den Weibchen getrennt wurden und zusammen aufgewachsen sind. Sie müssen nicht kastriert werden!

Junge Böckchen bilden ein harmonisches Team und es kommt extrem selten zu ernsthaften Beißereien, da die Tiere von Beginn an gemeinsam aufwachsen und es keine Weibchen gibt, um die gekämpft wird. Natürlich leben die Tiere ihr natürliches Verhalten aus, zu welchem auch die Klärung der Rangfolge gehört. So kann es im Alter zwischen 4 und 8 Monaten (je nach Tier) zu kleineren Rangeleien kommen und es mag auch mal ein paar Kratzer an der Nase oder einen kleineren Biss am Ohr geben, aber all das ist für die Tiere ein Kräftemessen und sollte nicht vermenschlicht werden. Auch bei den Menschen spielen die Jungen etwas wilder als die Mädchen und niemand würde auf die Idee kommen, Jungen – auf Grund ein paar blauer Flecken - nicht miteinander spielen zu lassen. So oder ähnlich läuft dies auch bei den Meersäuen ab und wenn jeder der Böcke weiß, wo er in der Rangfolge steht, gewinnt er an Sicherheit. Lassen Sie die Tiere also ihre kleinen Dispute klären und greifen Sie nur im Notfall ein, wenn ein Böckchen wirklich starke Verletzungen erleidet und keine Ausweichmöglichkeit hat (siehe ernsthafte Kämpfe, Artikel folgt in Kürze). Ein einziger Biss in den Po ist kein Grund für ein Eingreifen. Spätestens im Alter von 10 Monaten sollte die Rangfolge endgültig geklärt sein, und meistens findet das ganze sowieso ruhig und von den Menschen unbemerkt statt.

Auf keinen Fall dürfen in bestehende Bockgruppen mit begrenztem Platz noch neue Tiere integriert werden, da dies fast immer eine neue Rangfolge nach sich zieht und einen bestehenden Waffenstillstand wieder zunichte macht. Auch jüngere Böckchen - welche anfangs nach Weibchen riechen - lösen bei den Älteren Balzverhalten und Revierkämpfe aus!!! (siehe Meerschweinchen aneinander gewöhnen, Artikel folgt in Kürze)

Mehrere Böckchen:

Auch bei diesen Gruppen, sollten die Tiere möglichst jung aneinander gewöhnt werden, am besten bis zur 6. Lebenswoche.
Für Böckchengruppen gilt generell, das der Platz eine entscheidende Rolle spielt. Je größer das Gehege, desto harmonischer läuft in der Regel das Zusammenleben ab. Es sollte für jedes Tier genügend Ausweichmöglichkeiten bei Rangeleien geben und folgende Größenangaben sollten eingehalten werden:
3 Böckchen: 2 Quadratmeter
4 Böckchen: 4 Quadratmeter
5 Böckchen: 8 Quadratmeter

Meerschweinchengruppe Die Größenangaben sind nur Schätzwerte und hängen auch sehr von dem Temperament der einzelnen Tiere und der Einrichtung des Geheges ab. Böckchengruppen ab 5 Tieren sind nur sehr aufmerksamen Tierhaltern zu empfehlen, welche durch tägliches Beobachten feststellen können, ob einzelne Böckchen "gemobbt" werden. Ab einer größeren Anzahl empfiehlt sich das großflächige Abtrennen eines Gartenbereiches mit zahlreichen Verstecken und mehreren Futterstellen. Es gibt so auch sehr erfolgreiche Böckengruppen, wenn die Tiere keinem Stress durch Platzmangel ausgesetzt sind.
Bei der Haltung mehrerer Böckchen kommt es häufiger zu Problemen, als bei anderen Haltungsformen, da sich z.B. bei der Krankheit eines Einzelnen die gesamte Rangfolge verändern kann, was zu umfangreichen Reibereien führt und das kranke Tier dann oft stark gemobbt wird (oder war das Tier bereits heimlichen Aggressionen ausgesetzt und wurde aufgrund von Stress krank?). Dies müssen Sie kontrollieren!
Wichtig: Das nachträgliche integrieren von Weibchen ist nicht möglich! Frühkastrate - welche von den Böckchen oft als Weibchen fehlinterpretiert werden - können auch zu Streitigkeiten führen, ebenso Jungtiere.
Bei der Integration erwachsener Böckchen in eine größere Gruppe ist der Ausgang ungewiss. Dabei kann generell gesagt werden, dass die Chancen stark von der Gruppengröße und dem Platzangebot abhängen. Bei einer reinen Käfighaltung und z.B. nur 2 erwachsenen Böckchen, ist ein Zusammengewöhnen nur in den seltesten Fällen möglich. Es kommt zu heftigsten Kämpfen und die Tiere verletzen sich dabei ernsthaft. Die Kastration der Böckchen hilft nicht generell, dabei müssen ebenfalls einige Regeln beachtet werden. Möchten Sie es trotzdem versuchen lesen Sie hierzu bitte zuerst die Hinweise zum Meerschweinchen aneinander gewöhnen (Artikel folgt in Kürze) und lassen Sie die Tiere deshalb die ersten Tage nicht unbeobachtet und kontrollieren Sie das Verhalten über mehrere Wochen, um sicherzugehen, dass es nicht noch zu ernsthaften Kämpfen kommt. Ältere Böckchen haben ihr eigenes Temperament, deshalb ist eine Integration generell zwar nicht unmöglich, scheitert jedoch leider sehr oft.

Mehrere Frühkastrate (Böckchen, die bis zur 6. Woche, vor Beginn der Geschlechtsreife, kastriert wurden):

Unter Frühkastraten versteht man Böckchen, die vor Erreichen der Geschlechtsreife, also bis zum Alter von 6 Wochen, kastriert wurden.
Diese Gruppen funktionieren problemlos, da die Tiere ja sozusagen „geschlechtsneutral“ sind und hier lassen sich, im Gegensatz zu unkastrierten Böckchengruppen, auch Tiere (weibliche und männliche) später integrieren, wenn man die Neulinge geduldig eingewöhnt.
Obwohl gerne von einem erhöhten Narkoserisiko bei so kleinen und jungen Tieren gesprochen wird, zeigt die Erfahrung, dass es bei erfahrenen Tierärzten, die diesen Eingriff regelmäßig durchführen, sogar zu weniger Problemen kommt, als bei Kastrationen älterer Tiere. So verheilen die Operationsnarben besser und schneller, es bilden sich seltener Abzesse und die Tiere sind bereits ein paar Stunden nach dem Eingriff wieder fit. Das Argument, es wäre nicht artgerecht, ein Tier vor Erreichen der Geschlechtsreife zu kastrieren, es also seiner natürlichen hormonellen Entwicklung zu berauben und es immer im „Kindmodus“ zu belassen, muss kritisch betrachtet werden.
Einerseits ist die Kastration generell etwas Künstliches, vom Menschen veranlasst, um ein möglichst einfach handhabbares Tier zu erhalten, ohne die „Nebenwirkungen“ der Hormone, wie Rangeleien, Vermehrungswillen, Geruch, etc. So können die Tiere problemlos in Wohnungen – fern der ursprünglichen Heimat – mit geringem Platzbedarf gehalten werden.
Andererseits ist die Frage berechtigt, inwiefern die Tiere diese hormonelle Entwicklung vermissen, oder ob es für sie möglicherweise ohne ihre Triebe leichter ist, in der menschlichen Gesellschaft ein erfülltes Leben zu führen, wo der Platz beschränkt ist, und der Rangniedere keine Möglichkeit hat, ein anderes Revier aufzusuchen. Denn, lebenslange Einzelhaft aufgrund der sexuellen Aggressionen gegenüber Artgenossen ist auch nicht artgerecht und nicht jedes Böckchen wird das Glück haben, sich vermehren zu dürfen.
Und häufig enden die ungewollten Böckchen als Reptilienfutter!
Jeder Besitzer von Meerschweinchen muss dies selbst entscheiden und sollte seine Tierliebe kritisch hinterfragen.

Achtung - generell gilt bei Böckchenhaltung:

  • Die Tiere nie trennen!

    … da sie sich bereits nach kurzer Zeit ein eigenes Revier abstecken und sich dann nicht mehr vertragen! Dieses Verhalten kann bereits nach einem halben Tag beginnen.
    Sollte ein Tier krank sein, so weisen Sie bitte den behandelnden Tierarzt auf die Böckchenhaltung hin und bestehen Sie – falls medizinisch möglich - auf die gemeinsame Unterbringung der Tiere. Wenn es sich um eine ansteckende Krankheit handelt, so ist das zweite Tier sicher schon mit dem Erreger in Kontakt gekommen, eine Trennung käme also sowieso zu spät. Bei einer schwierigen Operation ist es ebenfalls meist günstiger, das kranke Meerschweinchen in gewohnter Umgebung und mit bekannten „Gesichtern“ unterzubringen, um die Genesung zu beschleunigen, da Meerschweinchen sehr stressanfällig sind.
    Im extremen Ausnahmefall einer absolut notwendigen Trennung, teilen Sie den Käfig mit einem Gitter oder stellen Sie zwei Käfige eng aneinander und wechseln die Tiere täglich von einem Käfig zum anderen, damit die Böcke den vertrauten Geruch des Partners nicht verlieren. Leider gibt es immer noch Tierärzte, die sich nicht ausreichend mit der Böckchenhaltung auskennen, bestehen Sie also auf die oben genannten Maßnahmen, auch falls Ihr Tierarzt anderer Meinung ist.
    Eine Ausnahme zu obiger Regel gilt nur für Frühkastrate oder die Haltung der Böckchen auf sehr großer Fläche.

  • Kein Kontakt zu Weibchen!!!

    Wenn der süße Duft einer Meerschweinchendame im Spiel ist, ist die beste Freundschaft dahin. Da gibt es keine Ausnahme!
    Bitte vermeiden Sie auch den direkten Käfig an Käfig Kontakt, da dies manchmal bereits ausreicht, die männlichen Hormone hoch kochen zu lassen. Sollten Sie die Meerschweinchen des Nachbars über den Urlaub aufnehmen – und es handelt sich um Damen – so bringen Sie diese am besten im Nebenzimmer unter, so ist jede Gefahr gebannt. Bei der Unterbringung Ihrer Tiere im Zoofachhandel bestehen Sie auf einer Unterbringung abseits der Damen!
    Diese Regel gilt nicht bei Frühkastraten.

  • Keine Deckexperimente!

    Bitte leihen Sie Ihr Böckchen nicht für einen einmaligen Deckakt (dem Nachbarn) aus. Erstens klappt es sowieso meistens nur, wenn der Bock und das Weibchen mehrere Tage oder besser Wochen miteinander verbringen, (es sei denn, sie kennen sich mit der Bestimmung der Fruchtbarkeitstage des Weibchens aus) oder es gibt nachher Randale und die Böckchen vertragen sich nicht mehr (Weibchengeruch haftet noch am Böckchen, Hormone, etc.).
    Diese kurzen Minuten der Freude sind es nicht wert - es sei denn, Sie planen eine Trennung der Böckchen, eine Kastration und Weibchenvergesellschaftung oder eine Zucht.

  • Kein Spielen mit den Nachbarmeerschweinchen!

    Gerne kommen Kinder zusammen und spielen alle gemeinsam mit den Meerschweinchen. Dies bitte unbedingt vermeiden, denn es bedeutet meistens sehr viel Stress für die Tiere und führt sowohl bei fremden Böckchen (mit diesen) als auch bei fremden Weibchen (gegeneinander, um das Weibchen) zu Auseinandersetzungen.

Weibchenvergesellschaftung

Zwei Weibchen:

Funktioniert problemlos, wenn die Tiere als Jungtiere miteinander aufwachsen oder zu einem älteren Weibchen ein weibliches Jungtier bis zu 4 Monaten hinzukommt.
Sehr selten kommt es in dieser Konstellation zu späteren Beißereien, sollte es jedoch dazu kommen, sind die Weibchen meist aggressiver und fügen sich oft schwerere Verletzungen zu als die Böckchen. Dies liegt wohl daran, dass die Rangeleien unter Böckchen für das Finden der Rangfolge dazugehören, es sich bei Weibchen jedoch um eine Verhaltensstörung oder eine generelle Antisympathie handeln kann, die oft andauert. Abhilfe kann in diesem Fall ein kastrierter erfahrener Bock im Sinne eines Streitschlichters bringen, jedoch ist dies keine Garantie.
Zwei ältere Weibchen lassen sich meist nur mit sehr viel Geduld aneinander gewöhnen, da beide um die alleinige Herrschaft kämpfen. Oft ist alle Mühe vergeblich, da sich keine der beiden „Zicken“ unterordnen will. Welche Möglichkeiten es dennoch gibt lesen Sie unter Meerschweinchen aneinander gewöhnen, (Artikel folgt in Kürze).

Mehrere Weibchen:

Meerschweinchen beim Wassertrinken Ab einer Zahl von 3 Meerschweinchen hat man ein sogenanntes Rudel. Hier gelten verschiedene Hierarchien und es gibt zahlreiche Interaktionen. Tiere, die zusammen aufwachsen, haben keine Probleme miteinander und auch das Hinzufügen weiterer Weibchen ist meist problemlos.
Dies liegt vor allem daran, dass die Tiere es gewöhnt sind, ihre Konflikte artgerecht zu lösen und die Leitsau das Rudel souverän anführt. Neulinge werden vielleicht kurz zurechtgewiesen, aber dies erfolgt meist mit Zähneklappern und kleineren Jagden, die bald nachlassen (in der Regel innerhalb der ersten 24 Stunden). Der Neuling hat gegen drei oder mehr andere Tiere keine Chance, da er sich nicht mit jedem streiten kann und zudem die Umgebung für ihn neu ist. Natürlich muss der Platz für die Zahl der Meerschweinchendamen angemessen sein.
Probleme gibt es vor allem mit sozial unerfahrenen Neulingen, die aus Angstreaktionen sehr aggressiv reagieren oder bei sehr dominanten Säuen, die sich der Leitsau nicht unterwerfen. Gegebenenfalls muss man einen Schritt zurückgehen und die Tiere etwas langsamer aneinander gewöhnen. (siehe Meerschweinchen aneinander gewöhnen, Artikel folgt in Kürze)

Generell gilt:

Je größer die Gruppe, desto leichter lassen sich neue Tiere integrieren, ausreichend Platz vorausgesetzt!

Weibchen und Böckchen

Mehrere Böckchen und ein oder mehrere Weibchen:

Das geht in reiner Käfighaltung absolut nicht, die Männchen würden bis aufs Blut um die Weibchen kämpfen. Ausnahme: die Böckchen wurden vor der Geschlechtsreife kastriert (sog. Frühkastrate) und es gibt nur einen unkastrierten oder spät kastrierten Bock, der die Gruppe anführt.
Ausnahme bilden hier extrem große Gehege, wie z.B. in Zoos, wo die Tiere genügend Platz haben, ihr Verhalten natürlich auszuleben, wie z.B. auch bei Wildtieren. Dies ist jedoch in der Regel bei Privathaushalten nicht möglich.

Ein Böckchen und mehrere Weibchen:

Das optimale Rudel besteht aus einem Böckchen und bis zu 6 Weibchen (optimales Minirudel: 1 Bock, 2 Weibchen). Hier können sie das normale Rudelverhalten und die zahlreichen Interaktionen zwischen dem männlichen Bock und den Weibchen optimal beobachten. Bitte achten Sie darauf, das Böckchen rechtzeitig zu kastrieren, oder falls sie gerne einmal Jungtiere haben möchten, beachten sie unbedingt die Zuchtbedingungen (Artikel folgt in Kürze), um Gesundheitsschäden bei den Tieren zu vermeiden.
Weibliche Tiere können normalerweise problemlos eingebracht werden, da das Böckchen bei allzu heftigen Auseinandersetzungen schlichtend eingreift und die Ruhe zwischen den Rivalinnen wiederherstellt.
Die Böckchen sind oft mutiger und haben "einen Blick" für das Geschehen in der Gruppe. Sie achten auch auf Bedrohungen und geben bei Gefahr ein Rückzugssignal, worauf sich die Weibchen in Sicherheit bringen. Weibliche Meerschweinchen mit einem mutigen Bock als Anführer sind selbstsicherer, da sie die Verantwortung abgeben. Böckchen sind generell richtige Gentlemen und wer einmal gesehen hat, wie Böckchen „ihre“ Weibchen schützen und umwerben, wird sich bei mehr als zwei Tieren immer für diese Haltungsform entscheiden.

(Autor: Marion Fürmetz)



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