Hunde




Allgemeines

Stammt der Hund nun vom Wolf ab, oder nicht? Wann wurde er eigentlich domestiziert und wie fanden Mensch und Hund zueinander? Welcher Hund passt zu mir und was muss ich beim Kauf eines Hundes beachten? Warum ist der Hund so sozial? Immerhin haben heute weltweit geschätzte 750 Millionen Menschen einen Hund. Was also ist dran an dem so beliebten Vierbeiner?

Diese Fragen und viele mehr hat ANIMALUS im folgenden Porträt beantwortet. Seien Sie gespannt und lassen Sie sich überraschen, denn sicherlich werden Sie Vieles über den treuesten Freund des Menschen erfahren, was Sie bisher noch nicht wussten. Und eines steht fest: Es ist wirklich was dran am Faszinosum Hund, eigentlich viel mehr, als man sich überhaupt vorstellen kann.

Herkunft / Abstammung

Der kynologische Weltverband, zuständig für die einheitliche Beschreibung von Hunderassen und die Festlegung von Zuchtrichtlinien (Fédération Cynologique Internationale, kurz: FCI) erkennt derzeit ca. 400 Hunderassen an. Die meisten von ihnen sind durch Züchtungen von ihrem Urtyp weit entfernt, anderen wiederum sind ihm noch immer sehr ähnlich. Wer aber ist der biologische Urvater des heutigen Haushundes, von wem genau stammt er ab und wie ist dies nachweisbar?

Biologische Systematik

Über die zoologische Systematik der Hundefamilie lässt sich aufgrund molekularbiologischer DNA-Untersuchungen sagen, dass sie zur Klasse der Säugetiere (Mammalia) und der Unterklasse der Höheren Säugetiere (Eutheria) gehört, die sich anfangs ausschließlich von Pflanzen ernährte. Später bildeten sich dann auch Fleischfresser (Creodonta) heraus, die zur Gruppe der Miaciden zählen; die Miaciden waren kleine wieselartige, sowohl auf dem Boden als auch auf Bäumen lebende Landraubtiere.
Aus der Ordnung der Raubtiere (Carnivora = Fleischfresser) entwickelte sich die Überfamilie der Hundeartigen (Canoidea), aus der sich die Familie der Hunde (Canidae) in die Gattungsgruppen (Tribus) der Echten Füchse (Vulpes) und der Echten Hunde (Canini) verzweigte. Unter den Canini entstand neben vielen anderen Gattungen die Gattung der Canis mit der Art Wolf (Canis lupus) und der Unterart Haushund mit dem wissenschaftlichen Namen Canis lupus familiaris.

Ursprung

Der Stammbaum, der zum heutigen Haushund führt, begann vor ungefähr 70 Millionen Jahren in der Erdneuzeit im Tertiär, unteres Eozän bis unteres Miozän. Zu dieser Zeit lebten, so Stand der heutigen Wissenschaft, die pflanzenfressenden Säugetiere, aus denen sich im Laufe der Evolution auch fleischfressende Säuger (Creodonta) entwickelten, die im Laufe der Zeit immer zahlreicher und dominanter wurden, da das vorhandene Nahrungsangebot an Pflanzenfressern schier endlos war. Aufgrund klimatischer Veränderungen starben die Pflanzenfresser (u.a. Dinosaurier) jedoch aus und die Vorherrschaft der Creodonta begann.

Man unterscheidet zwischen zwei Familien der Creodonten: Den Hyaenodontidae (Hunde- und Hyänenähnliche mit großem Schädel und kräftigem Kiefer) und den Oxyaenidae (Katzenähnliche). Ob sie mit den heutigen Raubtieren verwandt sind, ist unter Wissenschaftlern noch immer umstritten. Sie gelten aufgrund ihrer parallelen Entwicklung eher als verwandte Gruppe. Ihr Aussehen war spitzmausähnlich und sie ernährten sich von Insekten und anderen kleinen Lebewesen. Ihr Lebensraum war aufgrund des reichhaltigen Nahrungsangebotes für sehr lange Zeit Nordamerika und erst viel später Eurasien. Mehr und mehr bildeten sich die Miaciden mit der Gebissform der heutigen Raubtiere heraus.

Aus ihnen entwickelte sich dann vor ca. 40 Mio. Jahren, im Eozän, noch immer auf dem amerikanischen Kontinent, der Urheimat aller Wildhunde, der „Hesperocyon“ mit der Größe eines Fuchses. Er gilt als Urvater aller Hundeartigen und unterscheidet sich im Wesentlichen von den Miaciden durch seinen deutlich andersartigen Gang, da er über längere Läufe verfügte und Zehengänger mit ausgebildeten Fußballen war. Wissenschaftlich belegt wird dies erstaunlicherweise mit der Anatomie seines Innenohrs, die typisch ist für die Familie der Caniden. Aus der Evolution der Hesperocyon entstanden mehrere Canidenformen. Im Oberen Oligozän (Chattium), also vor ca. 23 bis 28 Mio. Jahren, starben sie jedoch aus und drei Entwicklungslinien entstanden:

Die Hesperocyoninae, die Borophaginae und die Caninae.

Erstere gilt als die älteste und dominierendste Gruppe der Caniden mit ihrem Höhepunkt im Mittleren Oligozän und ihrem Ende vor ca. 13 Mio. Jahren.

Die meisten Arten beinhaltete die Gruppe der Hyänenartigen (Borophaginae), die im Unteren Oligozän (Rupelium) vor ca. 32 Mio. Jahren entstand und ganze 30 Millionen Jahre dauerte. Umstritten ist die Existenz eines bärenähnlichen Hundes mit dem wissenschaftlichen Namen „Tomarctus“ vor 19 Millionen Jahren, der ein wolfartiges Säugetier gewesen sein soll, das in Rudeln jagte.

Die dritte Gruppe der Caninae entstand ebenfalls im Oligozän vor ca. 30 Mio. Jahren. Mit ihr begann die Linie der Caninae, aus der sich 42 Raubtiergattungen herausbildeten, unter anderem der „Leptocyon“, der als Stammform des Hundes und der modernen Raubtiere (Candien) gilt. Aus ihm gingen vor ca. 2 Millionen Jahren die Gattungsgruppen Vulpini und Canini hervor, wovon letztere die 10 heutigen Formen der Hundeartigen (Füchse, Schakale, Hunde, Wölfe, Kojoten) bildet (s. Die Hundeartigen). Die genetischen Unterschiede dieser Arten waren allesamt sehr gering. Wölfe und Hunde besitzen jeweils mehr als 78 Chromosomen, Füchse beispielsweise nur 38. Lange Zeit hielten Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz (1903 – 1989) und dessen Mitarbeiter Eric Zimen (1941 – 2003) die Theorie aufrecht, der Hund stamme vom Goldschakal (Canis aureus) ab. Inzwischen ist aber belegt, dass die DNA des Grauwolfs (Canis lupus lupus) der des Hundes am ähnlichsten ist, da sie sich lediglich um 0,2 % (!) unterscheidet, was den Grauwolf zum genetischen Urvater des Hundes macht.

Von Nordamerika aus eroberten die Caniden dann schließlich alle weiteren Erdteile und die Artenvielfalt schritt voran.

Domestikationsprozess

Was die Domestikation des Wolfes anbelangt, so gibt es bezüglich Zeitpunkt, Dauer und Ort unterschiedliche Theorien, da als wissenschaftlich gesichert nur gilt, was durch archäologische Funde bewiesen werden kann und es auch da Toleranzwerte von bis zu 300 Prozent (!) aufgrund unterschiedlicher Untersuchungsmethoden und -interpretationen gibt. Daher bleiben viele Funde, die bislang nicht eindeutig dem Hund oder dem Wolf zuzuordnen sind.

Zeitpunkt der Domestizierung

Molekularbiologen, die sich mit der Struktur, Biosynthese und Funktion von DNA und RNA auf molekularer Ebene und wie diese untereinander und mit Proteinen interagieren, befassen, vermuten aufgrund von Erbgutanalysen von Hund und Wolf, dass der Zeitpunkt der Domestizierung des Wolfes bereits in der letzten Eiszeit vor 135.000 Jahren war, als der Mensch selbst noch mehr Tier als Mensch war. Andere Wissenschaftler ordnen diese Analysen aber dem Wolf zu und datieren die Haustierwerdung auf einen viel späteren Zeitpunkt, nämlich vor ca. 15.000 Jahren plus minus x.

Den Wissenschaftlern fehlen aufgrund dieser unterschiedlichen Meinungen zum Zeitpunkt des Domestikationsprozesses des Hundes immerhin mehr als 100.000 Jahre, in denen die klimatischen Verhältnisse, die Jagdmethoden, die kulturelle sowie soziale Entwicklung der Menschen stark differierte. Der Hund muss also je nach Zeitpunkt der Haustierwerdung eine jeweils völlig unterschiedliche Bedeutung für die damaligen Menschen gehabt haben.

Keine Annahme gilt bislang als wissenschaftlich gesichert und letztendlich bleiben lediglich Szenarien, die mehr oder weniger logisch erscheinen.

Domestikation vor 135.000 Jahren

Vor 135.000 Jahren gab es aufgrund der Eiszeit viele Tundren und riesige Tierherden mit einem für den Menschen reichhaltigen Nahrungsangebot, bestehend aus Riesenhirschen, Bisons, Mammuts, Auer- und Moschusochsen, Höhlenbären und vielem mehr. Dazu kam, dass der Neandertaler ein hoch spezialisierter Jäger war, der daher Wölfe, Höhlenbären und Hyänen, auch wenn sie zu seinen natürlichen Feinden zählten, nicht wirklich als Bedrohung zu fürchten hatte, da genug Nahrung für alle da war. Es gab also keinen Grund für den damaligen Menschen, den Wolf zu domestizieren.

Gregory M. Acland, amerikanischer Professor für Medizinische Genetik ist deshalb der Meinung, dass sich der Wolf selbst domestiziert hat. Wolf und Mensch lebten aufgrund ihres sehr ähnlichen Beuteschemas über einen sehr langen Zeitraum in ähnlichen Umgebungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wolf sich nach und nach dem Menschen anschloss, von dessen Nahrungsabfällen profitierte und sich so im Laufe der Zeit selbst domestizierte, scheint höher als die Domestizierung durch den Menschen. Denn – wie sollte der Neandertaler, der selbst noch mehr wild als domestiziert war, ein anderes Lebewesen domestizieren können? Acland glaubt an ein gegenseitiges Geben und Nehmen, indem der zum Hund gewordene Wolf dem frühen Menschen als Jagdpartner diente und von ihm mit Futter entsprechend entlohnt wurde. Dies wiederum steht im Gegensatz zu Zimens Theorie, wonach ein Wolf niemals Beute mit einem anderen Rudelmitglied teilen würde und die Domestizierung erst viel später stattgefunden hat.

Also bleiben die Fragen, wie eine Annäherung hätte stattfinden sollen und vor allen Dingen warum, noch immer unbeantwortet.

Viele Datierungen und Funde aus der Zeit vor 135.000 Jahren werden deshalb von Historikern weiterhin angezweifelt und daher dem Wolf zugeordnet, was den Vorwurf einiger Wissenschaftler nach sich zieht, dass Erklärungen zurechtgerückt werden, bis sie passend sind.

Domestikation vor 15.000 Jahren

Und so neigt man dazu, nicht zuletzt auch weil logischer und gefälliger, die Haustierwerdung des Wolfes in die ausgehende Altsteinzeit zum Ende der letzten Eiszeit auf vor rund 15.000 Jahre zu datieren.

Der Nutzen für den Menschen wäre einfach ein weitaus größerer gewesen als zu einem früheren Zeitpunkt. Aufgrund klimatischer Veränderungen verschwanden im Laufe von Jahrtausenden die Steppen und mit ihnen das Großwild. Eine zunehmende Bewaldung fand statt und die Wildpopulationen veränderten sich – weg vom Mammut hin zu kleineren Tieren. Der damalige Mensch lebte in aneignender Wirtschaftweise als Jäger und Sammler in eher kleinen Gruppen zusammen und die alten vormals sehr erfolgreichen Jagdmethoden mit Steinschleudern, Speeren und Keulen wurden abgelöst durch diffe-renziertere Jagdmethoden mit Pfeil und Bogen. (Zeit und Ort der Erfindung von Pfeil und Bogen sind aber ebenfalls unklar, da sie früher zunächst aus Tierhäuten und Sehnen angefertigt wurden, die vollständig verrotteten und der Nachwelt keine Spuren hinterließen. Erst später stellten die Steinzeitmenschen ihre Jagdwerkzeuge aus Steinen und Tierknochen her und vermachten somit – natürlich unbewusst – den heutigen Wissenschaftlern kostbare Schätze, die Aufschluss über das damalige Leben zulassen. So die älteste und eindeutig belegbare Bogenwaffe, die in Stellmoor bei Hamburg gefunden wurde, mit einem geschätzten Alter von ca. 8.000 bis 9.000 Jahre vor Christus.)

Der Hund könnte Jagdhelfer des Menschen gewesen sein. Davor muss allerdings ein Prozess stattgefunden haben, der nicht bewusst durch den Menschen eingeleitet worden sein kann, sondern eher zufällig, denn die Folgen der Domestizierung waren nicht einschätzbar.

Domestizierung des Wolfs durch den Menschen

Der Wolf als Nahrungsvorrat des Menschen

Dr. Dirk Roos, amerikanischer Biologe und auch Eberhard Trumler, deutscher Kynologe vertreten die Theorie der unfreiwilligen Domestizierung des Wolfes vor rund 15.000 Jahren durch den Menschen als Nahrungsvorrat, auf den sie bei Bedarf zurückgriffen. Aufgrund von Stress vermehrten sich diese Tiere in Gefangenschaft jedoch nicht, so dass immer wieder für ‚Nachschub’ gesorgt werden musste. Auf der Jagd nach weiteren Wölfen gelang es den Menschen eher, helle Farbvarianten einzufangen, da diese aufgrund einer genetischen Grundlage weniger Adrenalin und somit ein geringeres Verteidigungs- und Fluchtverhalten aufwiesen und leichter überwältigt werden konnten. Sie waren also ruhiger und konnten sich daher auch problemlos in Gefangenschaft vermehren, was sonst ja nur sehr erschwert gelingt. Im Laufe der Zeit wurden diese den Menschen zuträglichen Eigenschaften dann mehr und mehr weitervererbt und die Haustierwerdung vollzog sich.

Der Wolf als emotionaler Faktor

Erik Zimen, der wohl berühmteste schwedische Wolfsforscher, vertritt die Theorie, dass der Wolf durch den Menschen domestiziert wurde, aber eher durch Zufall als durch pure Absicht und nicht durch einen Mann sondern durch eine Frau. Zimen widerlegte damit die lange Zeit geltende Theorie, der Wolf hätte die Menschen auf der Jagd als Jagdpartner unterstützt.

Wolfsrudel im Futterkampf

Wolfsrudel im Futterkampf

Aufgrund seiner als Wolfsforscher mannigfachen praktischen Erfahrungen mit zahmen Wölfen weiß er nämlich, dass Wölfe außerordentlich futteregoistisch sind, und - außer ihren Welpen - niemals Futter an ein Mitglied ihres Rudels abgeben, schon gar nicht an einen Menschen, auch wenn er ihnen vertraut ist. Da Wölfe außerdem Hetzjäger sind, könnte sich der Mensch niemals mit ihm gemeinsam an eine Beute herangeschlichen haben. Zimen glaubte vielmehr, dass die Menschen vor rund 15.000 Jahren aus rein emotionalen Gründen Wolfswelpen in ihre Familienverbände geholt haben könnten. Warum?

Zur damaligen Zeit jagte man bereits derart geschickt und effizient, dass man in der Lage war, mit nur einer Jagd oftmals einen gesamten Jahresbedarf an Fleisch für einen Clan abzudecken. Die Folge war, dass es den Menschen dadurch so gut ging (Hochkultur), dass ausreichend Zeit für ‚Muse und Luxus’ übrig war. Und so könnte es geschehen sein, dass Frauen aus rein emotionaler Fürsorge und zum Zeitvertreib, ganz kleine Wolfswelpen, deren Muttertiere vorher umgekommen waren oder gar von ihnen selbst getötet worden waren, zu sich genommen, sie gestillt und somit unbewusst domestiziert haben. Er vermutet auch, dass sie ihre mit Kot verschmierten Kinder von ihnen ablecken und säubern ließen, die Wölfe Wärme spendeten, den Abfall auffraßen und mit den Kindern spielten. Der Nutzen des Wolfes schien also deutlich höher gewesen zu sein, als die Gefahr, die von ihm ausging, denn immerhin war er der größte Nahrungskonkurrent des damaligen Menschen.

Das in Mahalla in Israel gefundene ca. 12.000 Jahre alte Skelett einer Frau, deren Hand auf einem etwa fünf Monate alten Welpen liegt, würde Zimens Theorie der Domestizierung durch Frauen und den Faktor Emotionalität unterstreichen. Auch die in einem Doppelgrab in Oberkassel gefundenen Reste eines Hundes, die neben der Frau und nicht neben dem Mann lagen, zeugen von einer innigen Beziehung des Hundes zur Frau. Warum sonst wurde der Hund neben die Frau gelegt?

Selbstdomestizierung des Wolfes aufgrund ökologischer Nische

Die amerikanischen Ethologen Ray und Lorna Coppinger begründen ihre Theorie der Selbstdomestizierung des Wolfes damit, dass er sich an eine neue ökologische Nische angepasst hat. Demnach haben die von den Siedlungen etwas abseits gelegenen Abfallhaufen der damaligen Menschen, die nachweislich über einen längeren Zeitraum in dorfähnlichen Strukturen gelebt haben, Wölfe und andere Aasfresser angelockt. Auf diese Weise entstanden im Laufe von Jahrtausenden eine Müllhierarchie und eine Art Selbstselektion der Wölfe, indem sie sich naturgemäß in zwei Gruppen aufteilten: Die eine Gruppe bestand aus scheuen Wölfen, die wegliefen und die andere aus denen, die weniger Angst vor den Menschen hatten und von deren Nahrungsabfällen profitierten. Die Fortpflanzung von derart wohl versorgten Tieren war ebenfalls gesichert und die natürliche Fluchtdistanz der Tiere verlor sich mehr und mehr aufgrund ihrer positiven Lernerfahrungen mit dem Menschen. Und so ist es vorstellbar, dass sich irgendwann Wolfswelpen, deren Mütter umgekommen waren, dem Menschen anschlossen und von den Frauen gestillt und aufgezogen wurden. Sie wuchsen in einem deutlich anderen Umfeld auf wie ihre Vorfahren und vermehrten sich dort auch. Da von den Menschen sicherlich nur die Wölfe mit den ‚zahmsten’ Eigenschaften geduldet wurden, also die, die sich dem Menschen am besten anpassten, vermehrten sich folglich auch nur solche Tiere, was eine erste Selektion bedeutete. Besonders aggressive Wölfe hätten eine viel zu große Bedrohung für das Überleben der Menschen und vor allen Dingen auch für deren Kinder bedeutet. Ein Genpool mit erwünschter Erbmasse entstand und manifestierte sich im Laufe der Zeit nach und nach. Irgendwann wurden keine neuen Wölfe mehr aufgenommen und der Mensch machte sich die ausgesprochen sozialen Fähigkeiten der domestizierten Wölfe zu eigen, nutzten ihn aber sicherlich auch als Wachhund aufgrund seines ausgeprägten Territorialitätsverhalten.

Auch äußerlich entstand ein völlig anderes Tier - der Haushund. Er wies eine verkürzte Schnauze, eine deutlich geringere Körper- und Gehirngröße auf. Kurzum: Er verlor an Masse und Kraft, da dies nicht mehr in dem starken Maß wie vormals gefordert war, als er Mammuts und andere damals lebenden Großtiere jagen musste, um seinen Fortbestand zu sichern.

Domestizierung durch Zufall aufgrund von Mineralien

Susan Crockford, eine amerikanische Evolutionsbiologin sorgte mit ihrem erst vor wenigen Jahren erschienen Buch „Rhythms of Life“ für Aufsehen, indem sie den Domestikationsprozess ebenfalls als Zufall darstellt, jedoch anders als Zimen und Coppinger.

Sie glaubt, dass der Wolf die Ausscheidungen der Menschen, nachdem sie ein Lager verlassen hatten, „plünderte“, indem er ihren Urin leckte und darüber Mineralien aufnahm. Der Kot überdeckte den eigenen Geruch und das über den Urin aufgenommene Salz wirkte auf die Schilddrüsenfunktion des Wolfes und steuerte über den Hypothalamus die Produktion der Stoffe Adrenalin (zuständig für Fluchtreaktionen) und Melanin (zuständig für die Farbe des Fells). Dies rief im Laufe der Zeit starke Veränderungen hervor, die sich immer weiter vererbten und dem Domestikationsprozess Vorschub leisteten. Als wichtigste Veränderungen gelten die Abnahme von Fluchtdistanz, die Zunahme der Gehorsamsintelligenz und der Fruchtbarkeit. Außerdem schrumpften Gehirn und Schädel, die Schnauze verkürzte sich und der Körper wurde im Vergleich zu dem des Wolfes um ca. ein Drittel kleiner. Gründe dafür waren, dass der Wolf nicht mehr nach Großwild jagen musste und eine gewisse Rückbildung des Körpers sowie Gehirns stattfand. So verwandelte sich der Wolf vermutlich in den Wildhund, der sich vom Aussehen her mehr und mehr vom Wolf unterschied. Crockford meint, der Mensch habe nicht den Wolf sondern den Wildhund domestiziert, der wesentlich stresstoleranter als sein Urahne war. Da sich – wie man weiß - diese Veränderungen bezüglich des Aussehens und Verhaltens schon nach 20 bis 30 Generationen zeigen, vollzog sich nach Crockford die Domestizierung deutlich (!) schneller als bisher angenommen.

Ort der Domestizierung

Die lange Zeit geltende Auffassung, dass es sich um einen langsam in Gang kommenden Prozess handelte, der sich über viele Jahrtausende parallel überall auf der Welt vollzog, scheint durch neueste Forschungsergebnisse von Stockholmer Wissenschaftlern widerlegt. Demnach ist das Mutterland aller Hunde Ostasien, genauer, eine kleine Region in China. Dies wiesen sie mittels einer eigens von ihnen angelegten riesigen DNS Datenbank und einer daraus ableitbaren Ahnenfolge nach.

Vor diesem Hintergrund ist die Überlebensleistung des Hundes und sein Feldzug quer über alle Kontinente noch bemerkenswerter als bisher angenommen.

Geschichte

Im nun folgenden Kapitel soll die Geschichte des Hundes im Laufe der Menschheitsgeschichte und seine vielfältige Bedeutung darin aufgezeigt werden.

Zahlreiche Überlieferungen zeugen davon, dass der Hund, je nach geschichtlicher Epoche und Kultur verschiedene Rollen innehatte. Mal war er verehrte Gottheit, dann aber auch wieder verdammte und verachtenswerte Kreatur, die mit einem Sklaven gleichgesetzt wurde. So war ein Schriftzeichen aus dem Mittleren Osten um 2000 v. Chr. gleichzeitig Symbol für Sklave und Hund.

Werwolf

Werwolf

In der Mythologie ist der Hund seit jeher ein mit dem Totenreich Verbundener, Todesbote, Hellseher, Opfertier, Unterweltwächter, Begleiter von Hexen und Dämonen und Mondtier, das vorwiegend nachts herumspukt. Wer kennt da nicht aus Sage und Dichtung die Legende vom Werwolf, wo sich nächtens bei Vollmond ein Mensch zum Wolf verwandelt und sich bei Tagesanbruch wieder zurück verwandelt? Ihren Ursprung hat diese Legende nachweislich bereits im 1. Jahrtausend vor Christi Geburt: Damals feierten Nomadenvölker, genauer die Skythen, die mit dem Pferd unterwegs waren und in den Steppen zwischen Sibirien und Ungarn lebten, ihre kultischen Feste. Sie warfen sich Wolfsfelle über, wohl um sich mit einem Gott in Wolfgestalt zu vereinen. Vermutlich erhofften sie sich die Kräfte des Wolfes auf diese Weise auf sich selbst übertragen zu können.
Im „echten“ Leben war der Hund wohl schon sehr früh unersetzlicher Jagdbegleiter. Dies dokumentiert die bisher älteste Abbildung eines Hundes in der Cueva Veija in Spanien um ca. 10.000 v. Christus, die einen Hund zeigt, der einem Hirsch den Fluchtweg abschneidet.

Das Geheimnis oder „Erfolgsrezept“ der jahrtausendelangen Erfolgsgeschichte des Hundes liegt dabei in seiner Anpassungsfähigkeit begründet. Wie bisher kein anderes Tier auf der Welt hat er sich aufgrund seiner vom Wolf erworbenen herausragenden sozialen Eigenschaften dem Menschen nahezu ideal angepasst. Aufgrund seines Rudeltriebs ging er bereitwillig mit dem Menschen zur Jagd und wurde ihm so treuer Freund und Gefährte. Zudem machte ihn seine Fähigkeit zu bellen, die vormals dazu diente, das Rudel zu bewachen und zu warnen, für den Menschen zum hervorragenden Wach-, Hirten- und Hütehund, Begleit-, Spür- und Polizeihund und leider auch Minen- und Kriegshund.

Der Hund in Ägypten

Unterschiedliche Hundetypen

Die Ägypter hatten den Hund schon in vorgeschichtlicher Zeit in voll domestizierter Form aus dem Vorderen Orient übernommen. Viele Skulpturen, Abbildungen und Hundemumien zeugen von seiner Bedeutung. Die ältesten Knochenfunde, die sein Vorkommen in Ägypten belegen, stammen aus dem 5. Jahrtausend v. Christus. Eine bildliche Hundedarstellung aus der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Christus zeigt ein windhundähnliches Tier auf einem Gefäß.

In den ersten Jahrhunderten des Alten Ägypten war das Recht der Großwildjagd ausschließlich den Pharaonen vorbehalten; gejagt wurden vorwiegend Nilpferde, die als Sinnbild des Bösen galten. Erst später kam die Jagd mit Streitwagen hinzu und Waffen wie Pfeil und Bogen, Lanze und Speer. Im Nildelta jagten die Adeligen Vögel und Fische, aber auch Antilopen und Gazellen, wozu schnelle Jagdwindhunde gebraucht wurden.

Der Tesem

Vermutlich führten die Ägypter auf ihren Reisen Hunde aus Somalia, Kreta und dem griechischen Festland ein und kreuzten diese um 3000 v. Chr. mit ihrem einheimischen und wohl ältesten Jagdwindhund, dem stehorigen „Tesem“, der Begleiter und Jagdhund der Pharaonen war. Sein Rassestatus gilt bis heute als ungeklärt; möglicherweise stammt er vom Pariahund ab und ist selbst Stammvater der Podencos (Jagdhunde) auf den Balearen, die vermutlich durch phönizische und karthagesische Seefahrer verbreitet wurden.

Viel später galt der Tesem lange Zeit als ausgestorben und wurde erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auf Malta in Form des Pharaonenhundes (maltesischer Name: Kelb tal-Fenek und bedeutet: Hund für Kaninchen) wiederentdeckt, der nachweislich seit mehr als 2 Jahrtausenden dort lebt und den Bauern auch heute noch wertvolle Dienste als Jagdhund leistet. Ein wissenschaftlicher Beweis für die direkte Abstammung des Kelb tal-Fenek vom ausgestorbenen Tesem ist aber bislang noch nicht geführt. Gemeinsame Merkmale beider Hunde sind die übergroßen Stehohren und die besondere Rotfärbung, die auffällige Bewegungseleganz und die vortrefflichen Jagdeigenschaften.

Der Pariahund

Herumstreunende Hunde jedoch wurden in Ägypten mit der Unterschicht verglichen und als Verursacher so mancher Krankheiten gesehen. So galten die Pariahunde (im Indischen: Ausgestoßene) als regelrechte Plage, die man tötete, wo auch immer man auf sie traf. Sie lebten zwar in der Nähe des Menschen, wurden aber weder gefüttert noch anderweitig von ihnen versorgt.

Der Basenji

Basenji

Basenji

Über den Ursprung des Basenji ist man sich unsicher. Er könnte Gastgeschenk der Pygmäen an die Pharaonen gewesen sein, oder aber auch Kriegsbeute und gilt entweder als Nachfahre des Tesem oder als von dessen Vorfahren abstammend. Beiden Hundetypen ist die geringelte Rute gleich. Zeichnungen dieser Windhundart wurden in den Gräbern der großen Cheops-Pyramide (2.700 v. Chr.) entdeckt und zeigen kleine Hunde, die aufgrund ihres katzenartigen und äußerst reinlichen Wesens in Palastkreisen sehr geschätzt waren.

Ein Wandbild im Grab des Mereruka (Wesir, oberster Richter und Vorsteher der Priester um 2.345 bis 2.323 v. Chr.) zeigt dicke, kurzbeinige Hunde, die vermutlich als Schoßhunde gehalten wurden.

Die Ägypter bildeten aber auch Sanitätshunde aus, die nach beendeten Kämpfen auf dem Schlachtfeld nach Verwundeten suchten und diese meldeten.

Um 625 v. Chr. wurden viele der Hunderasse Mastiff ähnliche Hunde für die Jagd auf Löwen und Wildesel verwendet.

Ägyptische Mythologie

Wie auch in anderen Mythologien wurden Götter als Menschen mit entsprechend unterschiedlichen Tierköpfen dargestellt. Der Grund: Tiere schienen den Ägyptern aufgrund ihrer ureigenen Instinkte überlebensfähiger als Menschen zu sein. Diese Instinkte basierten ihrer Meinung nach auf Wissen und Geist, die es durch die Vergöttlichung von Tieren zu sichern galt. Ferner glaubten sie, die Seele eines Menschen wandere nach dem Tod durch alle Tiere des Landes und des Meeres und kehre nach 3000 Jahren in einen Menschenleib zurück. Der Tod galt als Fortsetzung des irdischen Lebens und der Totenkult war als Ausdruck tiefer Frömmigkeit.

Die Assoziation Hund und Tod liegt möglicherweise auch in der kulturellen Verbindung mit der Wüste begründet und dem zur Menschheitsgeschichte gehörenden Aberglauben. Die Wüste als Heimat der Hunde, Wölfe und Schakale galt seit jeher als todbringend und wurde folglich auch mit dem Tod assoziiert. So scheint die Schlussfolgerung der Ägypter völlig logisch, den Hund zur wertgeschätzten Gottheit zu erheben, die für die richtige Einbalsamierung zu sorgen und der Mumie und ihrer Seele durch Mundöffnung den Weg ins Jenseits zu ermöglichen hatte.

Anubis

Ägyptischer Totengott Anubis

So war im Alten Ägypten (ab ca. 3.150 v. Chr.) der schakalgestaltige Totengott Anubis (oder auch: Anoubis, Anpu, Ano-Oobist, Impu) der Gott, der die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt führte und als Schutzherr der Gräber galt. Anubis bedeutet soviel wie „der in den Mumienbinden ist“. Er wurde entweder als großer schwarzer Hund oder Schakal bzw. als Mensch mit einem Hunde- oder Schakalkopf mit schwarzer Haut dargestellt. Laut Überlieferung soll Anubis Sohn des Osiris gewesen sein, der ihn nach dessen Tod einbalsamierte und über ihn wachte, bis er seine letzte Reise unbeschadet antreten konnte. Im Totenreich angekommen soll Osiris auferstanden sein und Anubis zum Richter des Totengerichts gemacht haben, der die Herzen der Toten gegen die Maat auf der Lebenswaage abwog. Die Maat ist eine Göttin, die symbolisch als Figur oder manchmal auch nur in Form einer Feder auf der einen Waagschale sitzt und dabei den Anch in der Hand hält (Zeichen für das Weiterleben im Jenseits), während über das Leben eines Verstorbenen zu Gericht gesessen wird. Fast jeder kennt die Statue, die den auf dem Sarkophag liegenden Anubis als Begleiter und Wächter der Reise ins Totenreich zeigt.

Starb ein Hund, balsamierte man ihn - ebenfalls wie die Menschen - ein und setzte ihn in einem eigenen Grab bei. Im Neuen Ägyptischen Reich stand auf das Töten eines heiligen Tieres sogar die Todesstrafe.

Der Hund in der Antike

Die Antike war eine Epoche des Altertums im Mittelmeerraum (ca. 1200 / 800 v. Chr. bis ca. 500 n. Chr.), geprägt von vielen Gemeinsamkeiten kultureller Traditionen. Sie meint im engeren Sinn eine griechisch-römische Epoche, die mit der frühgriechischen Einwanderung beginnt und etwa mit der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus (476 n. Chr.) endet. Über den genauen Beginn und das Ende dieser Epoche sind sich Wissenschaftler uneins.

Der Hund in Griechenland

Auch in der Antike nahm der Hund einen großen Stellenwert ein, was eine Vielzahl von zeitgenössischen Wandmalereien, Reliefs oder Mosaiken belegt. Zahlreiche Gedichte, Fabeln und Sprichwörter sind überliefert und selbst die Sternbilder wurden nach dem Großen und dem Kleinen Hund benannt.

Verschiedene Hundetypen

Aufgrund vielzähliger Hinterlassenschaften lässt sich sagen, dass man viel weniger Hunderassen unterschied als heute und die bekannten in vier Familien einteilte: Molosser, Lakoner, Kreter und Melitäer.

Wie genau der Begriff 'Rasse' damals definiert wurde, bleibt unklar. Klar ist aber, dass auch in Griechenland die Jagd von zentraler Bedeutung für die privilegierten Menschen war und man zahlreiche Hundearten vorwiegend nach ihrem Verwendungszweck bzw. ihrer Funktion unterschied. So weist auch Homer in seinen Epen Ende des 8. Jahrhunderts v. Christus dem Hund unterschiedliche Funktionen zu, indem er von Jagd-, Hirten-, Wach- und Tischhunden berichtet.

Der Molosser

Mastiff

Mastiff

Der größte und stärkste Hund war der kurzhaarige, robuste Molosser, die 'Dogge der Antike'. Er ist der Oberbegriff für viele sehr große und massige Doggenarten, vergleichbar mit dem heutigen Mastiff. Im antiken Epiros war der Stamm dieser Hundegattung heimisch. Der Rassename leitet sich aus dem Namen der Stadt Molossi ab. Ursprünglich wurde er in Epeiros als Hirtenhund gezüchtet und mit anderen Jagdhunderassen verkreuzt. So entstanden die bekannten südländischen und europäischen Doggenschläge (Bernhardiner, Boxer, Cane Corso, Dogo Canario, Dogue de Bordeaux, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastino Napoletano, Presa Mallorquin, etc.).

Der Molosser eignete sich aufgrund seiner Größe und Stärke vorzüglich als Hirten-, Hof- sowie Großwildjagdhund (Eber, Bären, Hirsche); seine Widerristhöhe erreichte damals immerhin stolze 75 bis 80 Zentimeter, während sie sich heute bei 70 Zentimeter eingependelt hat.

Er wurde außerdem auch als Meldehund im Krieg eingesetzt und musste zu übermittelnde Nachrichten verschlucken und überbringen. Um an die Informationen zu gelangen, wurde er nach seiner Ankunft geschlachtet. Hunde des Mastiff-Typs wurden von den griechischen und assyrischen Armeen im Kampf gegen ihre Gegner als Kriegs- und Kampfhunde eingesetzt. Mit Messern oder brennenden Fackeln am Halsband wurden sie zu den Gegnern geschickt, um diese abzulenken bzw. Brand zu stiften.

Aber auch bei Tierkämpfen mit Löwen wurden Kraft und Mut zur Schau gestellt und sie waren so wild und ungestüm, dass sie oft nicht einmal von ihren Besitzern in Schach gehalten werden konnten. Dabei waren sie sehr intelligent und treu.

Sie waren Luxus, den sich nur die Reichen leisten konnten; Hündinnen wurden niemals verkauft, um deren Vermehrung und somit Verbreitung möglichst für sich vorzubehalten.

Auch Alexander der Große soll stolz auf seine riesigen Hunde gewesen sein, die er von besiegten Gegnern an sich nahm, um sie in seinem Heer einzusetzen.

Der Lakoner

Der Lakoner war aufgrund seines leichten und elegant wirkenden Körperbaus extrem schnell und wurde in der Antike neben kretischen und sizilianischen Windhundarten vorwiegend als Jagdhund eingesetzt. Schnelligkeit, Mut, Ehrgeiz, Spürsinn und sein kräftiges Gebiss ermöglichten ihm, Wild auch im stärksten Dickicht aufzuspüren. In Italien, besonders in Apulien und Kalabrien wurde er aber auch als Hirtenhund eingesetzt.

Der Kreter

Kritikos Ichnilatis

Kritikos Ichnilatis

Auf Kreta gibt es nachweislich seit mindestens 4.000 Jahren den Kretischen Hund (bei den Griechen Kritikos Ichnilatis, Kretischer Spürhund genannt; offiiziell anerkannter Rassename lt. FCI jedoch Kriticos Lagonicos, darüber herrscht Uneinigkeit unter den Zuchtverbänden). Er gilt als Urtyp, da er über die Jahrtausende nahezu unverändert blieb und schon der Hund war, mit dem die Minoer in der Bronzezeit (ca. 3000 v. Chr. bis 1100 v. Chr.) jagen gingen.

Dennoch kennt den in der heutigen Zeit vom Aussterben bedrohten Hund außerhalb Griechenlands kaum jemand, obwohl er aufgrund der Vielzahl an Relikten eine sehr hohe Stellung im minoischen Kreta eingenommen haben muss. Er galt als heiliges Tier und wurde für die Jagd im Sinne der Nahrungs- oder Opfergabenbeschaffung eingesetzt. 43 v. Christus schrieb Ovid, dass eine Meute Jagdhunde ohne einen Kretischen Hund schier undenkbar sei.

Heute gilt der wohl beste Hasenjäger als lebendes Relikt minoischer Kultur und ist kulturelles Erbe Kretas.

Den Molekularbiologen gibt er viele Rätsel auf, da sich bislang keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen Hunderassen feststellen lassen und er sich stark von allen anderen Hunden und auch vom Wolf unterscheidet.

Der Melitäer

Der Melitäer war ein äußerst beliebter kleiner, weißer Spitz mit kurzen Beinen, der Schoß-, Familien- und Palasthund war. Im Laufe der Zeit hieß diese Hunderasse auch: Melitea Hund, Hund des antiken Malta, Comforter, Schockhund, Sanfter Spaniel, Malteser Löwenhund. Ob er nun aus Malta oder einem Ort in Sizilien stammt, ist noch immer ungeklärt.

Griechische Mythologie

Herkules im Kampf mit Cerberus

Herkules im Kampf mit Cerberus

Im alten Griechenland verehrte man 12 olympische Götter (der Olymp ist der Wohnsitz der Götter): Zeus, Hera, Poseidon, Demeter, Aphrodite, Artemis, Apollon, Athene, Hephaistos, Ares, Dionysos und Hades bzw. Hermes. Sie hatten jeweils viele verschiedene Funktionen inne und wurden in Form von Gebeten, Prozessionen und Tieropfern verehrt und - anders als bei den Ägyptern - als Menschen dargestellt. Ihnen zu Ehren feierte man viele Feste.

In der griechischen Mythologie war der Hund, ebenso wie in Ägypten, Begleiter der Toten, die den Weg in die Unterwelt gehen und wieder zu den Lebenden gelangen.

Eine der berühmtesten griechischen Sagen ist die des Herkules, des Sohns von Zeus und Alceme. Die Göttin Hera, Ehefrau des Zeus, hasste Herkules, der gutaussehend und unheimlich stark war, jedoch von Anfang an. Als Zeus eines Tages Herkules zum König von Mycenae machen wollte, willigte Hera nur unter der Bedingung ein, dass Herkules erst dann König von Mycenae und Gott werden solle, wenn er zwölf - im Grunde genommen unlösbare Aufgaben - bewältigte. Eine Aufgabe bestand darin, den drei- oder mehrköpfigen Höllenhund Cerberus zu besiegen, der mit einer Mähne aus sich windenden Schlangen furchteinflößend war und den Zugang zur Unterwelt bewachte. Cerberus war gefürchtet, weil er zwar jeden in die Unterwelt hinunter, jedoch nicht mehr herauf ließ und sein Atem und Speichel zudem giftig und tödlich waren. Alle, die lebend in die Unterwelt hinunter gingen, mussten daher Cerberus bekämpfen. Zum großen Erstaunen besiegte Herkules nicht nur den Cerberus, sondern meisterte auch alle übrigen Aufgaben.

Der Hund war überwiegend verehrtes und heiliges Tier der alten Göttinnen, was zahlreiche Geschichten über die Jagdgöttin Diana, der Holda und der Hel, der Artemis, der Hekate und der Nehalennia belegen.

Mit dem Aufkommen der Philosophie im alten Griechenland ab ca. 600 v. Chr. und dem Verlangen der Naturphilosophen nach logischen und wissenschaftlichen Erklärungen für die Entstehung des Universums traten die 'alten' Götter mehr und mehr in den Hintergrund: Hundespeichel, der vormals als giftig galt, wurde heilende Wirkung zugesprochen. Das Ablecken von Wunden galt als entzündungshemmend und gesund machend. Besonders Augenkrankheiten waren in der Antike weit verbreitet und wurden auf diese Weise gelindert. Dem zugrunde liegt der (Aber-)glaube, dass der Hund durch das Ablecken Unheilstoffe in sich aufnimmt. Tatsächlich enthält Hundespeichel keimtötende Fermente und Leukozyten und wirkt stark entzündungshemmend.

Der Hund in der Römerzeit

Als adeliger Römer einen Hund zu besitzen, vor allen Dingen, einen großen und kräftigen, war ebenso modern und zeitgemäß wie sich einen Sklaven zu halten. In der Antike hatten - neben der Jagd - Tierkämpfe einen enorm hohen Stellenwert und waren den römischen Bürgern Belustigung und Zeitvertreib sowie den Adeligen Demonstration von Wohlstand und Macht.

Im römischen Heer wurden verschiedene Arten von Gefechtshunden eingesetzt. So schützten Verteidigungshunde die Nachhut, Angriffshunde hatten an vorderster Front zu laufen und Verbindungshunde hielten zwischen den verschiedenen Armeeposten Kontakt.

Unterschiedliche Hundetypen

Der Molosser

Die Römer verwendeten die kräftigen Molosser als Kampfhunde, die sie zu züchten begannen, als der Nachschub für ihre grausigen Schaukämpfe gegen Menschen, Bären und Löwen auf natürlichem Wege nicht mehr ausreichend war. Es gibt Aufzeichnungen, wonach bereits 100 v. Chr. römische Kampfhunde gallischen gegenüber standen und sich erbitterte Kämpfe lieferten. Man kann heute sagen, dass die systematische Hundezucht zu dieser Zeit begann.

So ist eine Aufstellung bekannt, die die damaligen Hunde in Wach-, Hüte- und Jagdhunde einteilt. Jagdhunde wurden nach 3 Gruppen unterschieden: Erstere waren die Hunde, die lediglich eine Spur verfolgten, zweitere die, die eine Beute verfolgten und die dritte die, die die Beute angriff. Es gibt auch andere Ordnungen, die sich nach der Art des Jagdeinsatzes oder nach körperlichen Merkmalen wie der Schädelgröße bzw. -form oder der Charakteristik der Läufe orientierten.

Der Melitäer

Der Hund war aber auch Gesellschaftshund (Melitäer-Spitz) und wurde als Schmusetier verwöhnt. Die Melitäer beispielsweise gehörten zur Familie und wurden mit großer Zuneigung gehegt und gepflegt und von den Kindern sehr gerne als Spielkamerad gesehen. Er war wohl aufgrund seines wachsamen und intelligenten Charakters so beliebt. Mit großer Leichtigkeit lernt er Kommandos und auf Kinder reagiert er sehr geduldig und einfühlsam.

Anzutreffen war er lange Zeit ausschließlich am kaiserlichen Hof in Rom, da es als Privileg galt, sich einen Hund zu halten und es den Sklaven ohnehin verboten war, Tiere zu haben. Es dauerte aber nicht lange und auch die Bürgerlichen holten den so beliebten Melitäer in ihre Häuser.

Römische Mythologie

Sobald die Römer ihre primitiven religiösen Vorstellungen von Dämonen, Geistern und Zauberern aufgegeben hatten, begannen sie - nach kriegerischen Eroberungen - fremde Götter und Kulte zu übernehmen und gaben ihnen lediglich andere Namen. Politisch gesehen erleichterte das das Regieren anderer Völker ganz maßgeblich.

Romulus und Remus

Romulus und Remus

Von den Griechen übernahmen sie vor allem die Verehrung der Götter in menschlicher Gestalt als Kultbilder, wenngleich sie bei ihnen nicht denselben hohen Stellenwert hatten. Wichtig für die Römer war es, durch genaue Befolgung von Riten die Götter für die Erfüllung der Wünsche gnädig zu stimmen.

Eine der wohl bekanntesten römischen Sagen ist die Gründung Roms durch die Zwillinge Romulus und Remus. Die beiden Knaben wurden kurz nach ihrer Geburt im Tiber ausgesetzt und von einer Wölfin gesäugt und genährt. Als Dank für ihre Rettung durch einen Schweinehirten erbauten sie später die Stadt Rom an der Stelle, an der sie ausgesetzt worden waren.

Bekannt sind jedem von uns die Jagdgöttin Diana oder Geschichten vom Werwolf. Dieser Aberglaube ist wohl auf die hohe Anzahl von verwilderten Hunderudeln nach dem Zerfall des Römischen Reiches zurückzuführen. Noch heute sagen italienische Bauern, 'wenn ein Mann am Freitag bei Vollmond im Freien schläft, wird ihn entweder ein Werwolf angreifen, oder er wird sich selbst in einen Werwolf verwandeln'.

Der Hund in China

Anders als die Griechen und die Römer, die überwiegend an grobschlächtigen Molosserhunden für den Kampf interessiert waren, züchteten die Chinesen löwenartig aussehende Kleinhunde, die so klein waren, dass sie ihre Besitzer aus deren Kleiderärmel heraus beschützen konnten. Der Grund dafür klingt einleuchtend (s. weiter unten‚ ‚Chinesische Mythologie’).

Verschiedene Hundetypen

Der Pekinese

Pekinese

Pekinese

Äußerst beliebte Hunde waren die Pekinesen, auch Pekingesen, Löwenhunde oder Palasthunde genannt; sie sind gekreuzt aus dem Shar-Pei und dem Lhasa-Apso. Es gab sie nur im kaiserlichen Palast, besonders in der Qing-Dynastie (1644 - 1912). Sie wurden von eigens für sie beauftragten Dienern bewacht, die mit der Todesstrafe bestraft wurden, wenn ihnen etwas zustieß.

Der Chow-Chow

Chow-Chow

Chow-Chow

Man züchtete damals schon Chow-Chows, die man verzehrte und deren Fell zum Wärmen hernahm. Ihr chinesischer Name bedeutet so viel wie „aufgeplusteter Löwenhund“ und ihre Existenz ist bis ins 11. Jahrhundert vor Christus nachweisbar. Anders als die verzärtelten Palasthunde wurden sie im Palast nur zur Demonstration von Macht gehalten, ansonsten als Schlittenhunde oder zur Jagd eingesetzt.

Die weltweite Verbreitung der sog. ‚Löwenhunde’ begann im Jahr 1860, als britische Truppen den Kaiserpalast in Peking stürmten und die Hunde als Souvenir mitnahmen.

Chinesische Mythologie

Shih Tzu

Shih Tzu

Die Hundevorfahren des heutigen Shih Tzu stammen aus dem Tibet und lebten dort als „heilige Hunde“ unter dem Namen „tibetischer Löwenhund“. Die heilige Verehrung rührt vom Buddhismus, in dem man glaubt, dass Menschen, die sich in ihrem ersten Leben falsch verhalten haben, als Tiere, also in einer niedrigeren Lebensform wiedergeboren werden. Das heilige Tier des Buddhismus ist der Löwe, daher konzentrierte man sich bei der Zucht von Hunden auf ein möglichst löwenähnliches Aussehen. Die Größe der Hunde war dabei von geringer Bedeutung, da man ohnehin annahm, dass sich jedwedes Hündchen bei Gefahr in einen riesigen Löwen verwandeln konnte. Daher fühlte man sich auch beschützt, wenn man so einen kleinen Hund im Ärmel seiner Kleidung versteckte. So gilt der Shih Tzu bis heute als mutig wie ein Löwe und weise wie es sich für reinkarnierte Wesen ziemt.

Als Beweis göttlicher Heilkraft galt vor die Haustüre gestelltes Hundeblut, das Krankheiten, Einbrecher oder Insekten fernhalten sollte. Und so verwundert es nicht, dass alle Monarchen der chinesischen Ch’ing Dynastie ‚Löwenhunde’ hatten und diese nach Strich und Faden verzärtelten. Da man kaiserliche Hunde zudem an ihrem verwöhnten Geschmack erkennen sollte, fütterte man sie mit Wachtelbrüsten, Brachvogelleber und anderen exquisiten, meistens nicht einmal dem Volk zugänglichen Speisen.

Der Hund in Mexiko

Chihuahua

Chihuahua

In einer Ruinenstadt in Mexiko entdeckte man Wandmalereien von Hunden, die nackt waren und kaum Zähne hatten. Dabei handelte es sich vermutlich um den Mexikanischen Nackthund Xoloitzquintle. In ihm sahen die Azteken und Mayas eine Gottheit, die sie - ähnlich wie die Ägypter - als Mensch mit einem Hundekopf darstellten. Den Xolos und auch den Chihuahuas wurde die Fähigkeit zugesprochen, die Toten ins Jenseits zu begleiten. Daher tötete man wohl oft beim Tod eines Hundebesitzers auch den Hund, damit er seinen Herrn ins Jenseits verhelfen und ihn dort beschützen konnte. Sehr oft wurden Hunde den Göttern geopfert, um diese milde zu stimmen und Hilfe von ihnen zu erbitten. Zudem waren sie gern gesehene Spielgefährten der Kinder.

Noch heute hält man Welpen von Nackthunden gegen entzündete Gelenke, da man an ihre magischen Kräfte glaubt. Und tatsächlich wärmen sie die Gelenke ähnlich wie Fangopackungen und lindern Schmerz.

Der Hund im Mittelalter

Bocca della Verità (Mund der Wahrheit)

Bocca della Verità (Mund der Wahrheit)

Das Mittelalter (um ca. 500 bis 1.500 n. Chr.) war gekennzeichnet durch ein statisches Weltbild - die Erde als Scheibe bzw. als Kugel stand im Mittelpunkt. Der Himmel mit seinen Gestirnen war Wohnort Gottes und Jerusalem galt als Mittelpunkt der Welt. Alles war Gottes Wille und jeder hatte seinen unveränderlichen Platz in der Gesellschaft. Die Macht oblag alleinig dem Adel, zu dem auch der Klerus und das Rittertum zählten. Bürgern und Bauern kam die Aufgabe zu, den Adel zu ernähren.

Dieses starre Weltbild dokumentiert sich auch in den vielen Bauwerken, die für die Ewigkeit gebaut zu sein scheinen. Erst im Spätmittelalter, als der Handel und das Bürgertum an Bedeutung zunahmen, wurde der Tauschhandel durch den Handel mit Geld ersetzt. Handwerker gründeten Gilden, um den Adeligen gegenüber an Macht zu gewinnen. Dies stellte den Übergang in die Renaissancezeit dar.

Wie wir im weiteren Text ausführen, spielt auch der Hund in dieser Zeit eine wichtige Rolle.

Verschiedene Hundetypen

War vormals die Jagd das Recht des freien Mannes, so galt dies im Hochmittelalter (13. – 15. Jh.) nur noch für die Adeligen und Geistlichen, die hinter ihren hohen Burgmauern sehr viel Wert auf die Zucht von Jagdhunderassen für ihre feudalen Jagden legten.

Mehr und mehr wurden die Jagdmethoden verfeinert und die natürlichen Fähigkeiten des Hundes, Wild aufzuspüren und zu apportieren, erkannt. Man züchtete daher Hunde in Richtung einzelner Jagdfunktionen. Ihr Aussehen war im Gegensatz zu heute absolut sekundär. Daher findet man in Jagdbüchern aus dem 14. Jahrhundert weniger rassetypische Beschreibungen als vielmehr jagdtechnische. Wir erinnern uns an die Griechen, die in ähnlicher Weise verfuhren (siehe auch Der Hund im Mittelalter) . Als reinrassig galt ein Hund, wenn er eine einmal aufgenommene Spur „rein“ halten konnte und nicht auf eine andere Spur ging.

Dogge heute

Dogge heute

Windhunde

Windhunde

Bis zu vier Wochen dauerten teilweise die Vorbereitungen sogenannter Hetzjagden in den eigens dafür erbauten Jagdschlössern. Da bei Hetzjagden die Schnelligkeit der Hunde entscheidend war, legte man Wert auf Leit- oder Meutehunde (Bracken oder Laufhunde); sie waren sogenannte „spurlaute Nasenjäger“, die auf Spur und Fährte anhaltend laut jagen und dabei bellen konnten. Dazu zählen Abkömmlinge der Keltenbracke wie der St. Hubertushund oder Bloodhound, der Segugio Italiens oder der Hannoversche Schweißhund. Ein weiterer, sehr beliebter Jagdhetzhund des Mittelalters war der Windhund mit dem lateinischen Namen 'Vertragus'. Eine Windhundart wurde für die Schwarz- und Rotwildjagd eingesetzt und die andere für die Hasenjagd.

Die feine adelige Jagdgesellschaft führte aber noch eine weitere Hundemeute auf ihren Jagdausflügen mit sich: Die Packer (Doggen). Sie mussten wehrhaftes Wild packen und solange möglichst unverletzt festhalten, bis die Jäger es erlegen konnten. Die schönsten und stärksten Doggen wurden auch gerne als Leibhunde zum persönlichen Schutz gehalten.

Eine hohe Form der Jagdkunst war die Beiz- oder Vogeljagd. „Vogel-„ oder „Habichtshunde“ waren Vorstehhunde (Setter, Wachtelhunde, Spaniel und Pointer), die man auf unterschiedliche Jagdtechniken trainierte, die alle zum Ziel hatten, Flugwild aufzustöbern, das dann von Beizvögeln (Habicht, Falke) geschlagen wurde. Besonders bei Engländern und Franzosen galt der Besitz einer Jagdhundmeute als absolutes Statussymbol. Eine Meute konnte dabei bis zu 1.000 Hunde umfassen (!).

Während die Adeligen überwiegend Windhunde und englische Jagdhunde züchteten, hielten die Bauern Howerwart und Spitz und die Schäfer die Schäferhunde.

Im Mittelalter wurde der Hund für Schlachten sogar in Rüstungen gesteckt, wie man dies auch schon bei den Kelten und Galliern getan hatte. Aufgabe war es, die gegnerischen Pferde außer Gefecht zu setzen. Dazu wurden Rüstungen angelegt, an denen man Speere befestigte, die horizontal über den Hundekopf hinausragten, um in den Bauch eines Pferdes gerammt zu werden. Auch dienten Halsbänder mit gefährlich langen Eisenstacheln alleinig der Verletzung von Pferden.

Der Hund war aber auch Wachhund, der riesige Grundstücke bewachte und Vieh zum Markt trieb. Dabei etablierte sich über Jahrhunderte hinweg der Sport des Bullenbeissens. Dieser besonders in England vom 16. bis 18. Jahrhundert beliebte Wettsport „Bull Baiting“, der seit 1835 verboten ist, brachte eigens dafür gezüchtete Bulldoggen dazu, Bullen in die Nase zu beißen und zu Boden zu bringen. Die eigens dafür gezüchteten Bulldoggen waren mittelgroß und von gedrungener Statur. Aufgrund ihrer kurzen Nase, der vorstehenden Kiefer und des überaus kräftigen Nackenbereichs konnten sie zupacken und sich fest beissen, ohne in Atemnot zu geraten und zu ersticken.
Kein Wunder, dass der Hund auch als Seuchen- und Krankheitsträger gefürchtet war.

Die Inquisition

Vollmond und Wolf - Symbole des Aberglaubens

Vollmond und Wolf - Symbole des Aberglaubens

Historisch war der Aberglaube unter den Menschen auf dem Höhepunkt angekommen. Der Umgang mit Hunden galt als dem heidnischen Glauben zugehörig und somit als Ketzerei, die meistens mit dem Tod bestraft wurde. Der Hund war Tier des Teufels und Begleiter von Hexen, der nachts auf Friedhöfen spukte. Die positive mythologische Bedeutung des Hundes in der ägyptischen Epoche und in der Antike verkehrte sich im Hochmittelalter ins Negative. Laut mittelalterlicher Kirche hatten Tiere keine Rechte und verdienten keinerlei Beachtung.

Wenn auf der Straße die Hunde heulten, so glaubte man, dass in der Nähe ein Feuer entstehen oder in der Nachbarschaft irgendjemand sterben werde.

Als Schärfung der Galgenstrafe hing man manche Verbrecher noch im 16. Jahrhundert lebend mit dem Kopf nach unten an einem Seil um den Knöchel auf. Manche Aufgehängte verharrten teilweise mehrere Tage in dieser Position, bis der Tod sie erlöste. Die längste Sterbedauer soll bei 7 Tagen gelegen haben! Nicht auszudenken, wie sehr auch die Angehörigen litten, die den zum Tode verurteilten Bestraften mit tröstenden Worten beistanden, bis der Tod eintrat. Selbstmörder wurden zwischen einem lebenden Hund und einer lebenden Katze aufgehängt. Eine weitere Steigerung bestand darin, den Verurteilten kopfüber zwischen zwei lebende Hunde zu hängen, die ebenfalls mit dem Kopf nach unten aufgeknüpft waren und sich aufgrund ihrer zu ertragenden Qualen in den Menschen verbissen. Vergleichsweise mild wirkt da die Stafe, einen Hund um die Kirche eines Dorfes tragen zu müssen.

Folge dessen war auch der Beruf des Hundshautgerbers verachtenswert, da Abdecker (altes Wort für jemanden, der Tierkadaver verwertet) als extrem unrein und somit krankheitsübertragend empfunden wurden. Hundetötung wurde als heidnisches Sakrileg betrachtet.

Um den zahlreichen umherstreunenden Hunden in den mittelalterlichen Städten Herr zu werden, veranstaltete man regelrechte Treibjagden auf Hunde. So gibt es ab dem 15. Jahrhundert Nachweise über die Anstellung von sog. Stadtknechten, die für das „Hundsschlagen“, also das Töten von Hunden verantwortlich waren. In Hamburg durften die Hunde wiederum nur an bestimmten heiligen Tagen der Germanen gejagt werden und im Österreich von 1752 nur bei Vollmond.

Mythos Werwolf

Mythos Werwolf

Es gab im Mittelalter aber auch eine Art Scheu und heiligen Respekt vor den Hunden, da man ihnen, wohl aufgrund ihrer ausgezeichneten Sinnesorgane wie Nase und Ohren, nachsagte, auch auf unsichtbare Dinge reagieren zu können und sich irgendwo zwischen Unerklärlichem und Wirklichem zu befinden. Daher rührt wohl auch der Glaube, dass ein Hundebiss erst dann wieder heilen würde, wenn man Haare des betreffenden Hundes auf die Wunde klebte.

Zusätzlich flackerte zu Zeiten der Inquisition die Legende vom Werwolf wieder auf, da Tollwuterkrankte, die Schaum vor dem Mund hatten und wild um sich bissen, sich ebenso gebärdeten wie es die Legende vom Werwolf erzählte. Vom Aberglauben in unvorstellbare Phantasien getrieben glaubte man an die Verwandlung zum Tier.

Der Hund in der Renaissance

Malteser

Malteser

Renaissance (15./16. Jh. n. Chr.) meint wörtlich 'Wiedergeburt' und wird auch oft als goldenes Zeitalter beschrieben. Man kehrte sich vom Ständewesen im Mittelalter ab, hin zum Humanismus mit den Werten und der Werteordnung der Antike und der Erforschung der Natur und ihrer Gesetze. Der Mensch und dessen Entwicklung zu individueller Freiheit im Denken und Tun rückten in den Vordergrund. Alles wurde mit dem Verständnis 'der Mensch sei Maß aller Dinge' infrage gestellt. Es war die Blütezeit der Entdecker und Gelehrten: Amerika wurde entdeckt, Martin Luthers Thesen lösten die Reformation aus, der Buchdruck wurde erfunden, in Architektur, Malerei und Musik wurden bis heute unerreichte Maßstäbe gesetzt und die Medici gelangten zu nie dagewesenem Ruhm und Reichtum.

Die Tradition der Jagd behielt weiterhin ihren Stellenwert und Jagdhundrassen wurden zu diesem Zwecke züchterisch weiterhin verfeinert. Zu dieser Zeit avancierte der Hund in Form von kleinen Rassen zum Hausgenossen und Schoßhund der feinen Damen, der fortan unter dem Tisch sitzen durfte und liebevoll mit Tischresten verwöhnt wurde. Er wurde auf kleine Kissen gebettet und nahezu vermenschlicht. Der Lieblingshund von Madame Pompadour war der Malteser.

(Autor: Marion Hauser)



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